Ulrich Fentzloff
Auf dem Grab der Völker liegt noch Schnee
Gedichte
Ausstattung
Einband: Paperback mit Klappen und Fadenheftung; Seiten/Umfang: 80 S.
ISBN
978-3-943897-79-1
Preis
24,90 Eur (D) mit MWSt.
Bezug
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= Titel in Vorbereitung: erscheint vorausichtlich KW12/2026 =
Vorschau und Leseprobe
Es gibt ein unzerstörbar Wunderbares in der Welt. Warum wird es kaum mehr wahrgenommen? Nicht, dass Einzelne es zerstört hätten. Es hat sich zurückgezogen, sich ins Exil begeben: Das Wunderbare im Exil der Dichtkunst. Die Lektüre der Gedichte von Ulrich Fentzloff ermöglicht dem Leser die Schau einer geheimnisvollen, anderen, verborgenen, in ungebrochener Vielschichtigkeit gerade auch im Alltag anwesenden Welt. Der Dichter deutet das suchende, ein Wunderbares ertastende Dasein als „schwarze Möwe, die Erleuchtung im Trivialen sucht.“ (Pittura metafisica) Dichtung ist Vogelflug, ein weithin schweifendes Denken, zugleich das Hinuntersteigen in den geistigen Untergrund: „Wir ahnten nicht, wie sehr die Erde von Göttlichem unterhöhlt ist.“ (Odysseas Elytis) Das Wunderbare – eine Dasein gründende Melodie.
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Die Gedichte Ulrich Fentzoffs sind abrahamitische Gestalten, die durch Hinterhöfe, Altstadtgassen streifen, in der Bergwelt sich verlieren, in antiker wie biblischer, in moderner Poesie. Sie leben, die Gedichte, von der Voraussetzung, dass alles, was sich jemals zugetragen, was jemals gedacht und empfunden, aufgebaut und wieder verworfen wurde; dass alles, alles, in Schichten, Stockwerken angeordnet, erhalten bliebe. Nichts, das verloren gegangen wäre, das verloren ginge. Eine unterirdische Megalopolis, bewahrt auf, woraus die Architektur der Poesie schöpfen vermag. Diese Gedichte sind Splitter besagter Megalopolis, Erinnertes, Strandgut, welches an die Ufer gespült wird unserer Sinne. Fragmente der Angst, der Daseinsfreude, der Christusverehrung einsamer Gesang. Gründend der Gedanke Friedrich Georg Jüngers: »Auch ich bin durchdrungen davon, daß inmitten dieser Welt der Zerstörung eine ganze heile und unverletzte Welt liegt, die von keiner Atombombe berührt wird.“ (Brief an Ernst Niekisch vom 10. Juli 1947) F.G. Jünger versteht, »daß der Mensch ins Wanken gerät. Dennoch bleibt die Rose vollkommen schön.« (ebd.)
Die Gedichte folgen der philosophischen Spur, werfen die entsprechenden Fragen auf – im Wissen allerdings, dass das Wunderbare im philosophischen Kontext äußerlich nur erfaßt zu werden vermag. Die Poesie dagegen öffnet die Tür zum Festsaal, den man, den Mantel über die Schulter geworfen, betritt, sich vom Wunderbaren erschüttern zu lassen.
Dennoch bleibt die Rose vollkommen schön. »Die Poesie war mein Vergil, / kam als Morgenstern und tote Mutter, / als Christus in die unbeheizte Stube. / Ich warf den Zigarettenstummel / in antike Wasser, deren Fließen / mir ein Trost.«
Inhalt
George Pattison, Foreword
Les adieux
Dolcefarniente
Jahrhundert der Schrift
Klugheitsjahrhundert
Kantaten. Zifferblätter. Meere
Turmzimmer
Karneval
Wie das Endlosgrau des Sees zu Ende lesen?
Theosophischer Sendbrief
Straße meiner Gebete
An den Tischen weinten wir und warfen mit
Kieselsteinchen nach der Amsel
Mein Lachen ist das hellste und kindlichste unter der Pelzmütze des Mondes
Menucha. Notizen zum Begriff der Zeit
Straflager
Kino Arsenal. Ein Nachruf
Schiffe, die in fremde Häfen sich verliebt
Pittura metafisica
Viele Dichter sind gestorben
Dorf, das ich nie mehr sehen werde
Architettura povera
Haus am Steilhang. Über das Kommende
Der Thron steht leer
La macchina dell’amore e della morte
Aesthetica in nuce
Abschiedsbrief
Zauberkünstler auf Theaterbühnen
Der Pirol wird wiederkehren
Anthrakiá
Warten unter alten Bäumen
Zum Autor
Ulrich Fentzloff
weitere Informationen zum Autor
Ulrich Fentzloff, Dichter, Privatgelehrter, lebt in der Hohenlohe.
Er wurde 1953 in Ludwigsburg geboren; er war das Kind poetisch verklärter Tage in einem Württemberg des Geistes. Nach dem Studium der Ev.Theologie und Philosophie in Tübingen war er Jahrzehnte lang Pfarrer der Württembergischen Landeskirche; die längste Zeit in Langenargen am Bodensee. Zur Verabschiedung von dort im späten Frühjahr 2016 schrieb ein Freund: »Du gehst als der, der den Glanz der Poesie in den Glauben gebracht, der in den Straßen und Cafés, in Kammern und Sälen das Gebet mit uns gesungen.« (Berthold Müller)
Seit mehr als 20 Jahren schreibt er den Blog Tagebuch eines Landpfarrers. Marianne Wendt und Christian Schiller haben 2011 im ›Deutschlandradio Kultur‹ das entsprechende Hörspiel »Landpfarrer Fentzloffs Nachtbücher« vorgestellt. Frau Götz hat für denselben Sender eine Sendung, sein Denken, sein Tagebuchschreiben betreffend, gestaltet. Der WDR wiederum hat einen ähnlichen Beitrag, sein Internettagebuch betreffend, von Sabine Fringes gesendet.
Titel/Artikel im Verlagsprogramm:
- "Stundengebet", "Vergebliches Suchen im August nach den Ursprüngen weißer Angst", "Brief aus der Verbannung" (Gedichte), in: Journal für Religionsphilosophie Nr. 1 (2012),S. 124-129.
- "Wege, die nächtlich ans Ufer führen", "Württemberg als geistige Landschaft", "Die Turmuhr und der Bräutigam", "Messianität und Einsamkeit", "Straße der Vögel" (Gedichte), in: Journal für Religionsphilosophie Nr. 3 (2014), S. 152-156.
Text & Dialog
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